Charles Larmore
Brown University, Philosophy, Faculty Member
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Wozu noch Philosophie? Wer sich diese Frage stellt, geht davon aus, daß die gegenwärtige Situation der Philosophie ungewöhnlich sei. Früher habe es sich von selbst verstanden, worin der Zweck des philosophischen Denkens liegt. Jetzt sei... more
Wozu noch Philosophie? Wer sich diese Frage stellt, geht davon aus, daß die gegenwärtige Situation der Philosophie ungewöhnlich sei. Früher habe es sich von selbst verstanden, worin der Zweck des philosophischen Denkens liegt. Jetzt sei die Philosophie in eine so tiefgreifende Krise geraten, daß es nicht mehr klar sei, ob sie noch eine Funktion habe. Damit ist nicht bloß gemeint, daß sich der Zeitgeist gegenüber philosophischen Fragestel-lungen gleichgültig erweist. Das ist fast immer der Fall gewesen. Man will vielmehr sagen, daß die Philosophie in ihrem Selbstverständnis zutiefst erschüttert worden ist. Es sei un-klar geworden, ob es überhaupt etwas gibt, was sich als Gegenstand einer philosophischen Untersuchung eignet, und ob sich Philosophieren als eine Art von Denken vorstellen läßt, das man guten Gewissens, angesichts all dessen, was man sonst über die Stellung des Men-schen in der Welt kennt, ausüben kann. So verstand Adorno die Frage, die er zum Thema seines Aufsatzes von 1962 machte. Offensichtlich war er in diesem Jahrhundert nicht der einzige, dem es problematisch erschien, ob die Philosophie immer noch zu etwas dienen könnte. Der logische Positivis-mus des Wiener Kreises und Heideggers Fundamentalontologie-die zwei großen Kon-kurrenten von Adornos eigener " Kritischen Theorie" im Nachkriegsdeutschland-waren auch der Meinung, daß sich die Situation der Philosophie dramatisch geändert hat. In seinem Aufsatz kritisiert Adorno beide Bewegungen wegen der Unzulänglichkeit ihrer Vorstellungen über die Zukunft der Philosophie. Mit ihnen teilt er aber die Überzeu-gung, daß sich die Philosophie heute mit der Frage im Ernst befassen muß, " Wozu noch?". Gerade diese gemeinsame Annahme scheint mir, im Gegenteil, äußerst fragwürdig. An-statt sich der Tendenz anzuschließen, die Möglichkeit der Philosophie als problematisch anzusehen, sollte man zurücktreten und die Voraussetzungen in Frage stellen, die dieser Atmosphäre des Zweifels zugrunde liegen. Denn das Wesen und die Bedeutung der Phi-losophie scheinen im Grunde genommen leicht zu verstehen. Philosophie besteht in der Reflexion über die Gültigkeit der Prinzipien, auf die sich unser Denken und Handeln be-rufen. Daraus folgt zwar, daß Philosophie von Natur aus mit einer Art von Krisenbewußt-sein verbunden ist: Ihre Fragestellungen tauchen auf, wenn es sich nicht mehr von selbst versteht, wie man weiter denken oder handeln sollte. Aber was kann es heißen, daß die Phi-losophie selbst in eine Krise geraten ist? Daß ihre Funktion unklar erscheint, kann nur be-deuten, daß die Rechte und Aussichten der Reflexion unsicher geworden sind. Wie es dazu gekommen ist, ist dann die wesentliche Frage.
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Research Interests: Adam Smith and Morality
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Dieser Band enthält Aufsätze, die Charles Larmore in den letzten zwanzig Jahren auf Deutsch geschrieben hat. Die Texte befassen sich mit einigen der fundamentalen Probleme der Philosophie wie der Frage nach dem Wesen der Vernunft, der... more
Dieser Band enthält Aufsätze, die Charles Larmore in den letzten zwanzig Jahren auf Deutsch geschrieben hat. Die Texte befassen sich mit einigen der fundamentalen Probleme der Philosophie wie der Frage nach dem Wesen der Vernunft, der Freiheit, des Selbst, des Verstehens und der Anerkennung. Bei aller Eigenständigkeit eint sie die Hinsicht auf die grundlegenden Bezie hungen, in denen wir als handelnde und erkennende Wesen zu uns selbst sowie zu anderen stehen. Im Zentrum steht dabei eine Theorie der Subjekti vität, der zufolge das wesentliche Verhältnis zu uns selbst, das jeden von uns zu einem Subjekt macht, keine erkenntnisartige Beziehung ist, sondern eine normativ fundierte Beziehung des SichRichtens nach Gründen. Da Gründe aber nirgendwo anders als in der Welt vorkommen, kann Subjektivi tät als Gegenstand einer realistischen Epistemologie nur durch ihre Bezie hung zur Welt begriffen werden. Die daraus folgende Frage, wie das Wesen von Gründen zu begreifen ist, ist somit eine der Hauptfragen dieses Buches.
